Onlinescript: Wasser, der Zündstoff für drohende Kriege?




1. Das Leben tobt an den Flüssen

Das Leben tobt an den Flüssen

Im Moment scheint der internationale Terrorismus zu Beginn des 21. Jahrhunderts die zentrale Herausforderung zu sein. Glaubt man jedoch der Meinung von Experten, so werden künftige vermehrt gewaltsame Auseinandersetzungen um den Zugang zur knapper werdenden Ressource Wasser geführt werden. Zwei Drittel der Oberfläche unserer Erde ist mit Wasser bedeckt. Der blaue Planet trägt seinen Namen demnach zu Recht. Jedoch sind davon nur 2,5% Süßwasser. Verfügbar sind lediglich 0,5% dieser Trinkwasserressourcen. Der Rest besteht aus Eismassen und Gletschern, zum Großteil in der Antarktis gebunden.

 

Weltweit gibt es 261 grenzüberschreitende Flüsse. Darunter so bekannte Ströme wie der Amazonas, der Ganges, der Jordan, der Nil, der Tigris, der Sambesi und die Donau. Alle Anrainerstaaten dieser Flüsse müssen mit dem Wasser leben und wirtschaften. 60 Prozent der weltweiten Süßwasserressourcen werden durch diese 261 Flüsse geführt. Sie bilden das Siedlungsgebiet von 40 Prozent der Weltbevölkerung.

 

Die Verteilung der erreichbaren Trinkwasserressourcen auf der Erdkugel trägt seit jeher zu Spannungen bei. Als in den 70er Jahren Äthiopien ankündigte, Dämme am Blauen Nil zu bauen, reagierte der damalige ägyptische Präsident Sadat mit der Drohung, die Baustellen zu bombardieren. Der Bau des syrischen Tabqa-Dammes brachte 1975 Syrien und den Irak an die Schwelle eines Krieges. Und der Sechstagekrieg resultierte nicht zuletzt aus der beabsichtigten Ableitung von Quellwasser aus dem Jordan. Heute steht im Westjordanland einem Palästinenser in der Regel eine geringere Wassermenge zu, als einem israelischen Siedler. Die Wasserreserven werden im Autonomiegebiet (der Westbank), von Israel kontrolliert.

 

Nicht nur Israel und die Palästinenser streiten aktuell um die Wasservorkommen. Der gesamte Nahe Osten ist aufgrund der geographischen Struktur und der Klimabedingungen stark auf Wasser angewiesen. So streiten auch weiterhin Ägypten, der Sudan und Äthiopien, wenn es um die Nutzung des Nilwassers geht. Butros Ghali, der ehemalige Uno Generalsekretär konstatierte während seiner Amtszeit:  „Der nächste Krieg in unserer Region geht um Nilwasser, nicht um politische Fragen.”

Die Liste der internationalen Konflikte um den Zugang zum Wasser ist lang (siehe Tabelle).

 

Aktuell scheint die Situation in Asien und den ehemaliger Sowjetstaaten immer bedrohlicher zu werden. Im Januar 2004 schreibt das Hamburger Abendblatt dazu: „In Indochina streiten China, Laos, Kambodscha, Vietnam und Thailand um die Wasser des Mekong. In Zentralasien hängen die fünf Staaten Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan von den beiden Flüssen Amu-Darya und Syr-Darya ab. Sie flossen einst in den Aralsee, wurden aber unter Stalin zur Bewässerung von Baumwollplantagen abgeleitet. Heute ist der Aralsee zu mehr als der Hälfte ausgetrocknet.“

 

Die Streitigkeiten um Wasser manifestieren sich dabei fast immer in konkreten Projekten wie dem Bau von Dämmen und Wasserkraftwerken. Die technischen Fähigkeiten, natürliche Wasserläufe zugunsten der eigenen Gesellschaft zu nutzen, sind in den letzten hundert Jahren stark angewachsen. So wurden weltweit rund 25 000 größere Staudämme gebaut, davon 8000 mit mehr als 30 Metern Höhe. Kaum ein Fluss ist von dem Eingriff durch den Menschen verschont geblieben. Das Wasser muss heutzutage in vielen Landstrichen über Distanzen von mehreren hundert Kilometern herangeschafft werden. Bestes Beispiel dafür ist Las Vegas. Eine Riesenmetropole, mitten in einer Wüstenregion, mit gigantischem Wasserverbrauch, wird zum Erblühen gebracht.




Prof. Dr. hc hh h&m Stefan Ramaker ::: Multimedia Kontor Hamburg, Hamburg ::: Studiengang: Wasserkrisen,
Fachbereich: Wassertechnik
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